Interview: Beatzentrale
Band: Beatzentrale
Zeit: 1. März 2008
Redakteur: Frank
Hallo Steffen. Ihr seid mit dem New-Chance Bandwettbewerb eine recht große Institution in Ost-Deutschland geworden. Viele Bands bewerben sich um die Teilnahme. Was macht deiner Meinung nach, den Wettbewerb so interessant für junge Bands?
Hallo Frank. Zunächst: da ich nur für den sächsischen Bandwettbewerb, also NewChance Sachsen, zuständig bin, kann ich natürlich auch nur für diesen Teil wirklich was fundiertes aussagen. Ausserdem wird es NewChance Sachsen in diesem Jahr nicht geben und es ist derzeit auch nicht klar ob es nur ein Jahr ausgesetzt wird oder doch noch weitere Runden folgen. In der Tat haben sich wirklich viele Bands bei unserem Verein für den Contest beworben. Im ersten Jahr hatte ich noch eine Woche vor Ablauf der Bewerbungsfrist irre Bammel, dass wir überhaupt genug Bewerbungen bekommen um die damals 72 Startplätze vergeben zu können. Zum Stichtag waren es dann plötzlich 140 und das war schon ein überwältigendes Gefühl. Einige Bands haben sich mehrere Jahre beworben, wie auch Addiction, die sich im letzten Jahr die Landeskrone holen konnten. Insgesamt sind über 400 Bands aus dem gesamten Bundesland zusammengekommen. Der Reiz für junge Bands liegt meiner Meinung nach an mehreren Dingen. Zum einen gibt es wirklich viele Bands in Sachsen, die natürlich auch alle auf die Bühne wollen. Ein Bandcontest, noch dazu einer, der aus allen Bewerbern über 70 auftreten lässt, ist da natürlich schon eine recht einfache Möglichkeit, zumal wir den Bands auch teilweise einen Gig anbieten konnten, der eben nicht vor der Homebase stattfand. Die Sprittkosten der Bands konnten wir durch die Fördermittel auch absichern und insgesamt ist es tatsächlich auch zur Plattform herangewachsen. Ich denke die Möglichkeit auf der Bühne zu stehen, ist im Groben und Ganzen auf Platz Eins und dann kommen noch viele viele andere Gründe, die dann auch ganz individuell sein können.

Ihr setzt euch zumeist nach den Auftritten auch mit den Bands zusammen und diskutiert die Auftritte. Wie wird das angenommen? Welchen Zweck hat dies?
Wir wollen damit den Austausch zwischen denen, die sich der Kritik aussetzen und den anderen die sie über ihre Bewertung zu verteilen haben, ermöglichen. Das ist wichtig und das ganze Konzept unseres Bandwettbewerbes läuft im Endeffekt auf kulturelle Bildung, also den Erfahrungsaustausch hinaus und das wollen wir damit auch ernst gemeint haben. Wenn mich jemand nach dem Sinn von Bandwettbewerben fragen würde, würde ich wohl in einem meiner krassen Momente behaupten, dass diese Konzepte nur dann wirklich Sinn machen, wenn dabei nicht nur ein Gewinner und haufenweise Verlierer produziert werden, sondern möglichst viele hinterher auch an positiven Erfahrungen reicher geworden ist. Leider haben wir es nicht immer geschafft genau das möglichst erfolgreich zu transportieren. Bei einigen Musikern haben wir dann auch heftige Reaktionen geerntet und auch wir mussten erst einmal lernen damit umzugehen. Wir haben auch wirklich viel darüber nachgedacht und auch etwas experimentiert. Die letzten beiden Jahre haben wir dann auch die Musiker der Gewinnerbands aus den Vorjahren mit in die Jury gesetzt um auch darüber auch noch mal klar zu machen, dass unsere Jury nicht die Aufgabe hat etwas Besseres zu sein, sondern man sich auf einer Ebene begegnet. In den meisten Fällen wurde das Juryfeedback aber schon dankend angenommen. Es ist halt einfach was anderes als das Schulterklopfen der Kumpels.

Habt ihr das Gefühl, dass es die Tendenz gibt, dass Bands als Nachwuchsbands stigmatisiert werden, wenn sie an Contests teilnehmen? Es ist ja schon etwas anderes, wenn man zu einem Konzert geht und wenn man zu einem Contest geht. Leidet der künstlerische Aspekt am Contest?
Eine pauschale Antwort für alle ist auf so ein Frage echt schwierig. Es fängt ja schon damit an, dass es da keine allgemeingültige Definition von „Nachwuchsband“ gibt. Wenn man es Wort wörtlich nimmt, heißt das ja nichts anderes als dass es sich um eine junge Band handelt. Das ist ja bei den meisten Contests ja auch tatsächlich so, von daher? Es sind wohl eher die Eigenschaften, die mit diesem Begriff in Verbindung gebracht werden, die stören können und da sind wir dann auch schon wieder an einem sehr subjektiven Punkt angekommen. Für den einen heißt das „schräg und ungehobelt“ und wieder andere finden gerade das extrem wichtig, damit es gut ist. Ich denke der Begriff Nachwuchsband an sich kann getrost als Schublade begriffen werden mit deren Hilfe man es sich als Konsument wiederum ordentlich bequem machen kann. Auf – rinngehauen – zu, so ne Band ist das. Was vielleicht viel eher stigmatisierend wirkt, ist das „Top oder Flop Prinzip“ was beim Zuschauer ankommt. Die eine gewinnt, die anderen haben es nicht geschafft. Das ist ein wunder Punkt im Konzept, denn in Wirklichkeit hat es in den meisten Fällen nicht nur eine Band verdient und genau das ist das was den Zuschauer am Ende schon sehr stören kann und dann schon auch einen sehr großen Unterschied macht, ob ich beim Konzert oder auf dem Contest bin. Egal ob ich auf oder vor der Bühne stehe. Von daher kann ich auch verstehen, wenn nicht wenige sagen, dass Bandwettbewerbe keine Sinn machen. Das Argument wiederum, dass man Kunst nicht messen und damit auch nicht bewerten könne, ist mir da allerdings zu wenig. Das starre Konzept allerdings, das uns vorgibt wie viele oben und wie viele unten zu stehen haben, dass müssen wir einreißen. Dann steigt auch wieder der künstlerische Aspekt insgesamt und dann gibt es dadurch hoffentlich auch kein Futter mehr für diese nervigen Wortkriege der Fanblöcke, die durchaus zugenommen haben und wirklich die Stimmung drücken. Musik ist kein Sport und von daher auf die letzte Frage, ja er leidet und ich bin gern bereit für ein neues Konzept das bisherige in die Tonne zu werfen, aber auch nicht vorher.